1. Die Salztherapie hat eine jahrtausende alte Tradition

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Menschen in der Nähe von Meeresküsten oder Salzquellen hatten schon frühzeitig die entzündungshemmende, antibakterielle und pilzhemmende Eigenschaft von Salz für die Haut, bei offenen Wunden, Schleimhautproblemen und Atemwegserkrankungen entdeckt. Von der Antike bis ins Mittelalter beschreiben Hippokrates, Galenos, Platon, Aristoteles, Hildegard von Bingen und Paracelsus die äußerliche und/oder die innerliche Anwendung von Salz.

Dr. Georg Lewin schreibt in seinem Buch „Die Inhalationstherapie in Krankheiten der Respirations-Organe“ von 1865:

„Interessant sind hierbei die historischen Notizen, dass schon die Cäsaren ihre abgematteten Gladiatoren zur Kräftigung nach Venedigs Lagunen sendeten, dass Celsus seine Lungenkranken ans Meeresufer schickte oder nach Alexandrien übersiedeln liess und dass Cicero gegen seinen hartnäckigen Husten mehrere Seereisen unternahm.“

Karlsbad, einer der bekanntesten Kurorte in Europa, nutzt nachweislich seit dem 14. Jahrhundert Natriumsulfatquellen zu Heilzwecken. Der Brunnenarzt Dr. David Becher schreibt 1789:

„Ich habe seit meiner Untersuchung des Karlsbades mehr als einmal bewundert, dass eine einzige Mineralquelle so viel Stoff zum Nachdenken an die Hand geben konnte.“
Das Buch über die Karlsbader Quellen und deren Heilwirkung hat immerhin 549 Seiten.
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Viele Alchimisten und Ärzte lebten in Salzstädten

abstandparacelsusDarunter Paracelsus oder Johann Thölde. Sie nutzten das dort gewonnene Salz für Experimente und Heilzwecke. In der Alchimie gehört Sal (Salz) neben Sulfur (Schwefel) und Mercurius (Quecksilber) zu den drei Grundprinzipien aller Lebensprozesse. In diesen „Tria Principia“ ist Sal, vereinfacht ausgedrückt, der Körper, Mercurius steht für den Geist und Sulfur symbolisiert die Seele. Damals wie heute steht der Einklang dieser drei Prinzipien für Gesundheit und eine Disharmonie für Krankheit. Salz ist aber nicht gleichzusetzen mit Kochsalz, sondern steht vielmehr für die Materie (Mineralien und Spurenelemente), die übrig bleibt, wenn wir etwas verbrennen oder destillieren.

Paracelsus beschreibt dies folgendermaßen:

Nun will ich wieder auf ein Beispiel mit dem Holze zurückgreifen. Dieses Holz ist ein Körper. Wenn Du es verbrennst, so ist das, was brennt, der Schwefel, der Rauch das Quecksilber, und was zur Asche wird, ist Salz.

Quelle: Paracelsus, Opus Paramirum, erstes Buch, zweites Kapitel

Eine Anleitung, wie man aus Kochsalz Gold herstellt, findet man in dem Buch Geschichte der Alchemie von Karl Christoph Schmieder aus dem Jahre 1832:

Nimm gemeines Salz, 10 Pfund, fülle damit einen Tiegel und bedecke ihn mit einem eisernen Deckel. Lass ihn in der Schmiede wohl durchglühen, bis er rot glühet und das Salz zu knistern aufhört. Nun verstärke die Glut vor dem Gebläse, so wird das Salz zum Fließen kommen, als wenn es Silber wäre. Dann hast du ein fixes Oel, ein wachsflüssiges Salz, auch den philosophischen Mercurius, und endlich das gewünschte Gold.

1581 erschien mit Der neue Wasserschatz von Dr. Jakob Theodor die erste umfassende balneologische Schrift*, in der die Anwendung von kombinierten Trink- und Badekuren beschrieben wird.

*Balneologie ist die Bäderkunde, also die Lehre von der therapeutischen Anwendung natürlicher Heilquellen, Heilgase und Peloide in Form von Bädern, Trinkkuren und Inhalationen (Quelle: Wikipedia).

Der Engländer Dr. Richard Russel förderte aufgrund seines Bestsellers Dissertation on the Use of Seawater in Dieseases of the Glands von 1750 das Bewusstsein für Techniken, die auch heute noch angewendet werden.

Er schreibt: „Man soll Meerwasser trinken, sich darin baden und alles essen, was aus dem Meer kommt und worin seine Heilkraft konzentriert ist.“

Einer der bekanntesten deutschen Ärzte, Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836), der u. a. den Adel am preußischen Hof, Goethe und Schiller behandelte, war ein überzeugter Anwender der Sole bei Hautkrankheiten.

In seinem 1795 veröffentlichten Buch Ueber die Natur, Ekenntnißmittel und Heilart der Skrofelkrankheit schwärmt er von einem lauen Bad als „das beste Reinigungsmittel für die Haut und das schönste Vehikel, um medizinische Kräfte und Substanzen unmittelbar dem lymphatischen System beizumischen“.

Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden in Meeresnähe und an Orten, wo Sole gefördert wurde, die ersten ärztlich geführten Heil- und Kurorte. Das erste deutsche Seebad war 1793 Heiligendamm an der Ostsee. In Frankreich eröffnete 1800 das Thalasso-Zentrum (warme Meerwasser-Bäder) in Boulogne-sur-Mer. Es folgten die ersten Solebäder in Bad Salzelmen (1802), Bad Ischl (1823) und im polnischen Wieliczka (1836). Bad Ischl soll bereits im ersten Jahr seiner Gründung 10.000 Kurgäste beherbergt haben, was für damalige Zeiten eine erstaunlich hohe Zahl war.

In dieser Zeit wurden den Patienten auch bereits Nasenspülungen und Inhalationsanwendungen verordnet.

Abb.: Inhalationsgerät aus dem 19. Jahrhundert

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Quelle: Georg Lewin, Die Inhalationstherapie, Verlag von August Hirschwald (1865), S. 157


Die Wässer sind genauso beschaffen wie der Untergrund, durch den sie fließen.

Plinius d. Ä. (23-79 n. Chr.)

Der Bäderbetrieb beschränkte sich aber nicht nur auf Anwendungen mit Salzsole. Auch Schwefelquellen werden seit Jahrhunderten zur Behandlung von Hautproblemen, Rheuma und Arthritis genutzt. Daneben gibt es Quellen, die größere Anteile an Magnesium, Kalium, Kalzium, Hydrogencarbonat, Kohlensäure oder den Spurenementen Eisen, Fluorid, Jod und Radon enthalten.


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2. Salz wird wieder zum weißen Gold

 

abstandwasser_die_gesunde_loesungMitte der 1990er Jahre wurde das Thema Wasser und Salz aus der Beschaulichkeit des Kurbetriebs gerissen, denn sein Bestseller Wasser, die gesunde Lösung wurde allein im deutschsprachigen Raum mehr als 250.000 Mal verkauft (weltweit über 1 Million).

Eindrucksvoll schilderte der iranische Arzt Dr. med. Fereydoon Batmanghelidj in mehreren Büchern und Schriften, wie Wassermangel (Dehydrierung) und Salzmangel zusammenhängen, und welch schädlichen Einfluss dies auf die Gesundheit hat. Sein Erfahrungsschatz resultiert vor allem aus seiner Inhaftierungszeit im Iran von November 1979 bis Mai 1982. Damals behandelte er nach eigenen Aussagen mit großem Erfolg 3000 Mitgefangene mit Wasser und Salz. Inwieweit die Gefangenen an Durst oder Salzmangel litten, wird nicht erwähnt. Ergänzt werden seine Berichte aber durch Erfahrungsberichte aus späterer Zeit. Das von ihm beschriebene Spektrum behandelter Krankheiten und Beschwerden reicht von Asthma über Allergien, die als Salz als Histaminhemmer benötigen, bis hin zu einem Zwerchfellbruch, der durch Dehydrierung verursacht werden kann.


Im Kapitel „Über den Unsinn salzfreier Ernährung“ schreibt er: 
„Sauerstoff, Wasser, Salz und Kalium sind in dieser Reihenfolge die wichtigsten Elemente für das Überleben.“ Seine Empfehlung bezüglich der Höhe des Salzkonsums ist allerdings eher niedrig: „Ich habe eine Faustregel für die tägliche Salzzufuhr aufgestellt: Bei etwa 10 Gläsern Wasser, etwa zwei Litern, sollten Sie täglich etwa einen halben Teelöffel Salz rechnen. Wenn ein Teelöffel Salz etwa sechs Gramm fasst, wären dies also drei Gramm.“

abstandwasser_salz_buchEin „Meilenstein“, der in der alternativen Heilkunde einen wahren Salzboom auslöste, war aber das Buch Wasser & Salz – Urquell des Lebens von Barbara Hendel und Peter Ferreira (Erstauflage 2002).

Besonders bei den Ausführungen von Peter Ferreira im Salzteil, in dem er beschreibt, welche Wirkung von Salz und speziell dem Himalaya-Kristallsalz ausgeht, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Es geht nicht mehr nur um dessen chemische Zusammensetzung – die sei beim Himalaya-Salz absolut perfekt, da es alle 86 Elemente in sich trägt – sondern ebenso um Struktur, Geometrie, Energie, Informationsgehalt, Biophotonenanreicherung und Ordnungskraft.

Die Hochstilisierung zu einem Wundermittel für Körper und Geist weckte großes Interesse, und ganz bewusst wurde versucht, diesem Salz eine Aura des Außergewöhnlichen zu verleihen. So war dieses viel beworbene Salz, das überhaupt nicht aus dem Himalaya kommt (Herkunftsland ist die Provinz Punjab in Pakistan, die nur am Rande des Himalayagebirges liegt) , im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. 

Hierzu eine passende Anekdote, den mir allzu ernsthafte Kristallsalzfreunde verzeihen mögen:

zitat_b_50„Weißt du, ich verkaufe jetzt Wasserbetten für Hunde, aus beißfestem extra starkem Stoff. Das Geschäft läuft gut.“ Er zeigte mir einen Prospekt mit vielen bunten Fotos. „Und da kommt normales Leitungswasser rein?“, fragte ich. „Kann man natürlich machen. Ich würde aber Heilwasser empfehlen, Heilwasser aus der Marienquelle. Das wirkt beruhigend, selbst auf Kampfhunde.“ Er zeigte mir die Stellen, an denen ich unterschreiben sollte.

Quelle: Uwe Zabel, Es gibt Schlimmeres, Zwiebelzwerg Verlag (2006), S. 30.

Vorträge von Peter Ferreira, gibt es bei „youtube“ unter dem Stichwort „Peter Ferreira“.


Gibt es tatsächlich nur ein einziges gutes Salz?

Dem Mineralexperten und bekannten Buchautor Michael Gienger zufolge

zitat_b_50„gibt es Qualitätsabstufungen und Verunreinigungen in jeder Lagerstätte“, und „hochwertiges, heilkundlich verwendbares Salz gibt es in allen Kontinenten der Erde“.[1. M. Gienger, SALZ Nahrungsmittel, Heilmittel oder Gift, Verlag Neue Erde, 2010]

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